Progressive Muskelentspannung (Progressive Muskelrelaxation nach Jakobson - PMR)


Entspannungstraining: Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR)

 

 

Die PMR gehört zur Gruppe der körperorientierten Entspannungsverfahren. Sie kann als einzelne Behandlungsmaßnahme, als Teil anderer Behandlungsmaßnahmen, z.B. der systematischen Desensibilisierung, oder ergänzend zu anderen Therapietechniken angewendet werden.
Die Methode wurde von dem Physiologen Edmund Jacobson entwickelt. Er erkannte bei seinen Studien, dass durch den Wechsel von muskulärer Anspannung und Entspannung der Muskeltonus erheblich unter das normale Niveau gesenkt werden kann und dass mit der Absenkung des Muskeltonus1 das Gefühl tiefer Entspannung erlebbar wird. Voraussetzung ist, dass der Übende lernt, den Unter-schied zwischen beiden Zuständen zu differenzieren. Dabei kommt es jedoch nicht nur auf das mus-kuläre Tun an, sondern auf die Achtsamkeit, mit der wir unser Bewusstsein auf diesen Vorgang richten.


Der Ansatz der PMR beruht erweitert auf der Wechselwirkung zwischen psychischen und muskulären Spannungszuständen. Während seiner Tätigkeit als Physiologe in den dreißiger Jahren untersuchte Jacobson die Schreckreaktion bei auftretenden lauten Geräuschen. Er stellte fest, dass Personen, die gelernt hatten, ihre Muskeln zu entspannen, nicht aufschreckten. Also beeinflusste der Grad der Mus-kelspannung die Ausprägung des Schreck-Reflexes. Er erfand in diesem Zusammenhang eine Unter-suchungsmethode zur Bestimmung der Muskel- und Nervenaktivität, die als Elektromyographie (EMG2) bekannt wurde. Mit dieser Methode gelang es ihm, Aspekte der Interaktion von Psyche und Körper zu beobachten.
Es besteht somit ein empirisch gut abgesicherter Zusammenhang zwischen psychischer Erregtheit, Angst, Unruhe, Gespanntheit und Gehemmtheit einerseits und der Tonuserhöhung der Muskulatur andererseits.

 

 

 


Ziel der PMR



Ziel der PMR ist die Entspannungsfindung und die Erhöhung des Wohlbefindens.
Primär ist dabei das schrittweise Erlernen einer immer besseren willkürlichen Kontrolle über Spannung und Entspannung bestimmter Muskelgruppen. Durch das Training soll in systematischer Weise eine Herabsetzung der Willkürmuskulatur erreicht werden, wodurch wiederum eine psychische Entspannung hervorgerufen wird – das vertiefte Ruhegefühl bewirkt seinerseits eine zunehmende Muskelentspannung.


Je mehr sich die Muskeln entspannen, desto ruhiger werden wir und je ruhiger wir werden, desto mehr entspannen sich die Muskeln – es wird eine körperliche und seelische Entspannung erreicht.
Häufiges Üben führt zu einem körperlich verankerten, fast jederzeit willkürlich abrufbaren Lebensge-fühl des inneren Loslassens, verbunden mit dem Lockerlassen der Muskulatur.


Die PMR wird zielgerichtet insbesondere von Verhaltenstherapeuten auch im Rahmen umfassender Behandlungspläne eingesetzt, wenn die Fähigkeit des Patienten, sich in bestimmten Situationen zu entspannen, therapeutisch genutzt werden soll. So stellt die PMR z.B. eine wichtige Komponente der Systematischen Desensibilisierung nach Wolpe (1958) dar.

 

 

Ziel: Der Teilnehmer lernt, körperlich zu entspannen und gleichzeitig gedanklich abzuschalten, um eine Belastung bewältigen zu können.

 

Die PMR führt dazu, die Auswirkungen lang andauernder Belastungen zu kompensieren und sich zu erholen (regeneratives Stressmanagement),

 

stressverschärfende Bewertungsstrukturen aufzuweichen (kognitives Stressmanagement) sowie

die Erregung in akuten Belastungsmomenten zu kontrollieren (palliatives Stressmanagement).